Im letzten Blogartikel haben wir ihn kennengelernt: unseren inneren Antreiber.
Die Stimme, die sagt:
- „Das noch schnell.“
- „Das muss heute noch fertig werden.“
- „Du kannst dich später ausruhen.“
Der Antreiber sorgt dafür, dass wir Dinge erledigen. Dass wir Termine einhalten. Dass wir Verantwortung übernehmen. Grundsätzlich ist er kein schlechter Kerl.
Schwierig wird es dort, wo er nicht mehr nur antreibt, sondern bestimmt.
Wo nicht mehr wir entscheiden, was heute wichtig ist. Sondern einfach tun, was als Nächstes getan werden muss.
Wenn der Antreiber das Steuer übernimmt – denn er fragt nur: „Was ist noch zu tun?“
- Er interessiert sich nicht dafür, ob Sie müde sind.
- Nicht dafür, ob Sie gerade eine Pause brauchen.
- Nicht dafür, ob Sie eigentlich keine Kraft mehr haben.
Er will weiter.
Und wenn wir ihm lange genug folgen, kann folgendes passieren:
- Wir hören irgendwann nicht mehr auf uns selbst, sondern nur noch auf den Antreiber.
- Wir nehmen unsern Körper wahr und gehen trotzdem über seine Grenzen
- Wir fangen an, zu funktionieren. Wir erledigen. Wir machen weiter.
Der Antreiber kennt kein „fertig“ – denn ist eine Aufgabe erledigt, kommt die nächste um die Ecke.
Die Küche ist sauber. Die Wäsche erledigt. Die E-Mail beantwortet. Der Schreibtisch aufgeräumt.
Und jetzt? Eigentlich könnte Ruhe einkehren. Doch der Antreiber schaut bereits weiter:
- Was könnte noch gemacht werden?
- Was muss morgen erledigt werden?
- Was darf ich auf keinen Fall vergessen?
Eine erledigte Aufgabe macht ihn nicht zufrieden. Sie schafft nur Platz für die nächste.
Wir haben den ganzen Tag gearbeitet und abends häufig trotzdem das Gefühl, nicht fertig geworden zu sein.
Dabei haben Sie längst mehr getan, als notwendig gewesen wäre.
Aber der innere Antreiber kennt kein Maß. Er kennt vor allem eines: weiter. Und irgendwann wird es selbstverständlich. Das Schwierige daran:
Wir merken oft gar nicht, wann sich etwas verändert.
Aus: „Ich mache das noch schnell.“, wird: „Ich kann mich erst entspannen, wenn alles erledigt ist.“
Und weil niemals alles erledigt ist, verschiebt sich die Entspannung immer weiter nach hinten.
Wir warten auf den Feierabend. Dann auf das Wochenende. Dann auf den Urlaub.
Und selbst dort braucht unser Körper manchmal erst einige Tage, bis er überhaupt wieder merkt, dass er nicht funktionieren muss.
Der Antreiber ist so vertraut geworden, dass wir ihn kaum noch hinterfragen. Wir folgen ihm. Nicht weil wir uns jeden Morgen bewusst dafür entscheiden. Sondern weil wir es gewohnt sind.
Aber muss alles, was möglich ist, auch getan werden?
Warum fällt es uns so schwer, „Nein“ zum Antreiber zu sagen?
Der innere Antreiber gibt uns nicht nur Aufgaben. Er gibt uns auch ein Gefühl.
Wir sind zuverlässig. Wir haben unseren Alltag im Griff. Auf uns ist Verlass.
Wir werden gebraucht. Wir leisten etwas. Wir stehen unseren Mann oder unsere Frau.
Wir glauben, solange wir funktionieren, bekommen wir dafür eine Rückmeldung:
Ich bin wichtig. Ich werde gebraucht. Ich mache es richtig.
Wenn der Körper irgendwann mitredet – Unser Körper macht dieses Spiel nicht unbegrenzt mit.
Der Arzt und Autor Gabor Maté beschäftigt sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Stress, Anpassung und dem Übergehen eigener Bedürfnisse.
Ein Gedanke daraus ist für mich besonders interessant:
Wir können lange funktionieren. Aber Funktionieren bedeutet nicht automatisch, dass es uns gut geht.
Das richtige Maß ist entscheidend!
Der innere Antreiber hat ja auch etwas Gutes, denn er lässt uns wachsen.
Das bedeutet aber nicht, dass wir unsere Verantwortung an ihn abgeben dürfen. Die Verantwortung bleibt immer bei uns.
Wir nehmen den Antreiber wahr. Aber – reagieren müssen wir nicht sofort.
Die Welt geht nicht unter, wenn wir nicht alles und sofort erledigen.
Wichtig ist – zu erkennen:
„Was ist heute wirklich nötig? Was ist dringend?“