Die Urlaubszeit geht gerade zu Ende. Ein guter Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, was uns im Alltag antreibt.
Im Urlaub erlauben wir uns, auf einer Decke zu liegen und den Wolken zuzuschauen. Und es fühlt sich gut an. Wir haben nicht das Gefühl, etwas zu versäumen. Wir genießen.
Wir müssen nichts daraus machen. Und genau das tut gut.
Dann kommen wir nach Hause.
Und da ist er wieder: unser innerer Antreiber.
Noch schnell … Er schubst uns durch den Alltag:
- Noch schnell die Wäsche.
- Noch die E-Mail.
- Noch einkaufen.
- Noch das erledigen, was gestern liegen geblieben ist.
Aus einer freien Stunde wird eine Stunde, in der wir möglichst viel unterbringen. Wir optimieren unsere Zeit wieder:
So viel wie möglich in so wenig Zeit wie nötig.
Im Urlaub war es genau umgekehrt – da war Zeit egal und das Erleben wichtig.
Und? War das nicht angenehm? Endlich Raum. Luft. Zeit. Sich wieder selbst spüren.
Und vor allem – sich wieder wohl in der eigenen Haut fühlen.
Wer sagt, dass wir im Alltag nicht auch diese Momente haben dürfen?
Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem langen Arbeitstag nach Hause.
Eigentlich könnten Sie sich auf die Couch legen oder sich einfach hinsetzen und aus dem Fenster schauen. Mal nichts erledigen.
Doch kaum sitzen wir, meldet er sich zuverlässig – der innere Antreiber.
„Du könntest jetzt noch …“
- Die Küche könnte noch gemacht werden.
- Die Wäsche könnte zusammengelegt werden.
- Die E-Mail könnte auch noch raus.
Vielleicht ist es nur eine Kleinigkeit.
Und irgendwo dazwischen sitzt das schlechte Gewissen.
Darf ich jetzt wirklich einfach hier liegen?
Eine interessante Frage.
Denn wann sind wir eigentlich wirklich fertig?
Haben Sie schon einmal am Ende eines Tages sagen können:
„Jetzt ist alles erledigt.“
Oder kommt nicht fast immer noch ein Gedanke hinterher?
- „Das könnte ich noch machen.“
- Das müsste ich eigentlich auch noch erledigen.
- Wenn ich schon dabei bin …
Der innere Antreiber findet erstaunlich zuverlässig die nächste Aufgabe.
Aber warum?
Was treibt diesen innere Antreiber?
Was geben uns die erledigten Aufgaben für ein Gefühl?
- Das wir uns als zuverlässig erleben? Das wir unseren Alltag im Griff haben?
- Wir kümmern uns. Wir leisten etwas.
- Wir stehen unseren Mann oder unsere Frau.
- Wir werden gebraucht.
- Wir sind wichtig.
Und solange wir etwas tun, gibt es wenig Anlass, diese Rolle infrage zu stellen.
- Die saubere Küche zeigt: Ich habe mich gekümmert.
- Die erledigte Arbeit zeigt: Auf mich ist Verlass.
- Der volle Terminkalender zeigt: Ich werde gebraucht.
Leistung gibt uns eine Rückmeldung über unseren eigenen Wert.
Zumindest kann es sich manchmal so anfühlen.
Und jetzt wird es interessant.
Denn was passiert, wenn all das wegfällt?
- Wenn die Küche nicht perfekt ist?
- Wenn die Wäsche bis morgen liegen bleibt?
- Wenn die Arbeit warten muss?
- Wenn wir einfach nur auf der Couch liegen?
- Wenn wir eine Stunde lang Wolken beobachten?
- Wenn ein Nachmittag verstreicht, ohne dass wir ihn „genutzt“ haben?
Wer sind wir dann?
Hier liegt genau die Schwierigkeit mit der Entspannung.
Nicht darin, dass wir nicht wissen, wie Entspannung funktioniert.
Sondern darin, dass wir sie manchmal nicht aushalten.
Denn in der Ruhe gibt es nichts zu leisten. Nichts zu beweisen. Nichts zu optimieren. Wir sind einfach da.
Und genau das kann ungewohnt sein. Vielleicht sogar unangenehm.
Denn wenn der äußere Lärm leiser wird, hören wir möglicherweise etwas, das im Alltag leicht untergeht:
uns selbst.
Warum gelingt es im Urlaub leichter?
- Der Urlaub macht etwas mit uns.
- Wir fahren weg.
- Die Umgebung verändert sich.
- Die gewohnten Abläufe sind unterbrochen.
Und dann ist es völlig selbstverständlich, einen Vormittag langsam angehen zu lassen.
- Eine Stunde auf einer Decke zu liegen.
- Spazieren zu gehen, ohne irgendwo ankommen zu müssen.
- Am Abend in den Himmel zu schauen.
Niemand fragt – auch wir selbst nicht:
„Was haben Sie heute eigentlich geschafft?“ Der Urlaub gibt uns die Erlaubnis, nicht funktionieren zu müssen. Sondern genießen zu dürfen.
Aber der See, die Berge oder das Meer sind nicht die eigentliche Ursache unserer Entspannung.
Die Decke im Urlaub ist nicht anders als die Decke zu Hause.
Nur unsere Haltung dazu ist eine andere.
Im Urlaub erlauben wir uns, Zeit verstreichen zu lassen.
Zu Hause glauben wir, schnell diese Zeit „sinnvoll“ zu nutzen.
Wir brauchen deshalb nicht mehr Zeit.
- Es braucht die Erlaubnis, nicht jede freie Minute zu füllen.
- Die Erlaubnis, nicht immer nützlich sein zu müssen.
- Die Erlaubnis, Dinge auch einmal liegen zu lassen.
- Die Erlaubnis, einfach da zu sein.
Nicht als Belohnung. Nicht erst dann, wenn alles erledigt ist.
Sondern weil wir Menschen sind und nicht ständig etwas leisten müssen.
Schicken wir ihn doch auch einmal in den Urlaub – diesen Antreiber
Wir müssen ihn nicht gleich loswerden. Sondern ihm einfach auch mal eine Auszeit gönnen.
Nur für einen Moment.
- Lassen Sie heute einmal etwas liegen.
- Setzen Sie sich auf die Couch.
- Legen Sie sich auf eine Decke.
- Schauen Sie aus dem Fenster.
- Beobachten Sie die Wolken.
Und warten Sie nicht darauf, dass alles erledigt ist.
Es wird niemals alles erledigt sein.
Eine letzte Frage möchte ich Ihnen mitgeben:
Was bleibt von Ihnen, wenn der innere Antreiber einmal Urlaub macht?
Und was passiert, wenn wir der Knecht unseres Antreibers werden? Mehr dazu im nächsten Blogartikel – erscheint am 19.09.2026. Schauen Sie gern wieder mit rein.