Wenn ich alles im Griff habe – außer mich selbst
Was meine neue Praxis mich über Kontrolle, Vertrauen und Loslassen gelehrt hat
Eine neue Praxis zu eröffnen, klingt zunächst einmal wunderbar.
Neue Räume.
Neue Möglichkeiten.
Ein neuer Abschnitt.
Soweit die Euphorie.
Allerdings – eine Wohnung einzurichten ist etwas anderes, als einen Arbeitsplatz so zu gestalten, dass er nicht nur bequem ist.
Die Räume sollen so viel mehr können.
Sie sollen Ruhe vermitteln. Sicherheit. Wärme. Sie sollen zu meiner Arbeit passen und Menschen das Gefühl geben, angekommen zu sein.
Und ich habe festgestellt: Ich kann mir meine Räume mit all dem, was sie können sollen, nicht besonders gut vorstellen.
Ich kann einen leeren Raum anschauen und trotzdem nicht wissen, welches Potenzial darin steckt. Was einmal daraus werden kann.
Es gibt so viele Möglichkeiten.
Also habe ich angefangen, mir Hilfe zu holen.
Ich muss nicht alles können
Dabei kam eine interessante Frage:
Was machen wir mit den Dingen, die wir selbst nicht können?
Versuchen wir, sie trotzdem zu kontrollieren?
Gelingt es uns, anderen zu vertrauen?
Das klingt erst einmal einfach. In der Praxis sieht es oft anders aus.
Denn Kontrolle gibt uns den Schein von Sicherheit.
In Beispiel: Mein Mann hat Ahnung vom Bau. Ich nicht.
Bei der Planung meiner Praxis habe ich viele Gespräche mit meinem Mann geführt.
Wir mussten einiges umbauen, damit es für die Praxis passt.
Manches, was für ihn völlig logisch ist, konnte ich mir überhaupt nicht erklären.
Deswegen habe ich sehr häufig nachgefragt.
Irgendwann hat mein Mann etwas eingefordert, das mir an manchen Stellen gar nicht so leichtgefallen ist – Vertrauen.
Vertrauen bedeutet allerdings – ich kann nicht alles kontrollieren.
Wie leicht fällt es Ihnen, zu vertrauen?
Wenn wir glauben, alles im Griff haben zu müssen, um uns sicher zu fühlen.
Die Kontrolle gibt uns den Schein, Unsicherheiten zu eliminieren – damit wir sie nicht aushalten müssen.
Es ist gut, wenn wir uns manchmal durch etwas hindurcharbeiten müssen.
Denn jeder kennt es – das Leben geht eigene Wege.
Je häufiger wir die Fähigkeiten des Aushaltens trainieren, desto stärker wird dieser Muskel und wir können die Überraschungen des Lebens als Herausforderungen betrachten, an denen wir wachsen können.